Das Silosilo strahlt das robuste Selbstvertrauen einer Produktionsstätte aus, die einst für einen funktionalen Zweck gebaut, und nun als eine Art Objekt der Industriearchäologie weiter besteht.

Was soll das denn sein, das Silosilo? Plötzlich steht man davor und wundert sich. Vielleicht sollte man beim Gehen des öfteren himmelwärts schauen. Das Silosilo sieht von aussen jedenfalls nicht aus wie ein uneindeutiges Bauwerk. Über einem Sockel aus Beton ragen 21 mächtige, pechschwarz gestrichene Stahlzylinder in den Himmel. Es strahlt das robuste Selbstvertrauen einer Produktionsstätte aus, die einst für einen funktionalen Zweck gebaut, und nun als eine Art Objekt der Industriearchäologie weiter besteht.

Aber was leben soll, haben wir uns gesagt, muss auch benutzt werden. Und so betritt der Besucher des Silos gleichzeitig ein Relikt aus einer vergangenen Zeit und eine Art öffentliches Wohnzimmer der Jetztzeit. Mächtige Betonträger durchschneiden mit urweltlicher Wucht einen Raum, der erstmal nicht mehr sein will als eben: ein Raum!

Im Boden versenkt stehen zwei grosse Tresen; auf einem brummt eine Kaffeemaschine. Darüber schwebt eine Art Galerie – wir nutzen sie als Büro- und Arbeitsplatz. Wer will, kann sich an einen der Holztische setzen, die vom Zürcher Duo Kueng Caputo entworfen wurden, und zum Beispiel einfach nichts tun. Ein paar Stufen führen hinab in die Unterwelt des alten Kornspeichers, wo eine geräumige Küche steht. Abends heisst dieser Ort «Restaurant Mémoire». Hier wird wunderbar gekocht. Es geht im Silosilo natürlich auch nach oben: Eine Wendeldtreppe führt durch hohe, archaisch wirkende Rauminszenierungen aus Stahl und Beton – was wird hier dereinst alles möglich sein? Eignet sich das labyrinthische Innere der alten Speicher nicht auch für Performances und Aufführungen aller Art? Es ist einem hier ein wenig zumute wie in den Eingeweiden eines Tieres, das jederzeit wieder aufwachen könnte. Zuoberst, in der Dachkammer, hat man übrigens ungewohnte Ausblicke aufs ehemalige Industriequartier.

Aber was soll es denn sein, und vielleicht noch werden, das Silosilo? Für uns ein Ort der Partizipation, wo sich die Stadtgesellschaft trifft; ein sozialer Raum der genutzt werden kann für verschiedene Aktivitäten. Aber auch ein Ort der Ruhe inmitten der Urbanität, wo man befreit ist vom Zwang zum Kauf. In diesem Metagebäude darf man sich aufhalten um zu reden, nachzudenken, zu arbeiten, um Pläne zu schmieden, grundlos rumzusitzen, Zeit verstreichen zu lassen oder Neues zu lernen. Es soll ein Ort sein für ein Leben in der Gegenwart, das nicht nur von kommerziellen Interessen gesteuert wird. Im heutigen Stadtraum fast eine kleine, aber reale Gebäudeutopie.

Text: Finn Canonica, Chefredaktor «Das Magazin»

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